Dörfer der Versöhnung Ruanda - Hoffnungsträger

Versöhnung lässt tife Wunden heilen

Versöhnung
lässt tiefe
Wunden heilen

Versöhnungsdorf
Das Dorf der Versöhnung mit den massiven Häusern in Kimonyi

Die tiefen Wunden heilen, die der Genozid in Ruanda vor 23 Jahren verursacht hat, ist das Ziel einer besonderen Kooperation. Es sind die „Dörfer der Versöhnung“, die in Zusammenarbeit zwischen Prison Fellowship Ruanda, der Hoffnungsträger Stiftung aus Deutschland und weiteren Organisationen entstanden sind. Sieben dieser Dörfer gibt es mittlerweile in ländlichen Gebieten Ruandas.

Zwischen Anfang April und Anfang Juli 1994 töteten radikale Hutu in Ruanda mehr als 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Die Regierung Ruandas versuchte nach dem Ende des Völkermords eine Politik des Wiederaufbaus und der Versöhnung. Dies dauert bis heute an. Die Versöhnungsdörfer sind ein Teil in diesem Prozess.

Entstanden sind sie in den Orten Rweru, Mbyo, Mwili, Kageyo, Kabarondo, Ngoma und Kimonyi. In vielen Fällen leben die Täter von einst wieder in unmittelbarer Nachbarschaft zu Menschen, denen sie 1994 selbst oder ihren Familien großes Leid zugefügt haben. Für Opfer und Täter von damals wurden Häuser innerhalb der Dorfgemeinschaft errichtet. Außerdem nehmen sie an moderierten Gesprächsrunden teil. Sie haben sich bewusst dafür entschieden, sich zu vergeben und zu versöhnen. So leben sie nicht nur nahe beieinander, sondern arbeiten zusammen und kümmern sich umeinander.

Über 600 Häuser sind in den sieben Dörfern gebaut worden. Sie beherbergen fast 4000 Menschen. Darüber hinaus gibt es im Einzugsgebiet der Versöhnungsdörfer 15 landwirtschaftliche und handwerkliche Kooperativen, mit deren Hilfe die Leute ein eigenes Einkommen erzielen.

Bei John Vianney Mudaheranna und Gratien Rwamirindi hat das Hauptanliegen der Dörfer gegriffen – Vergebung und Versöhnung. John hatte einst Gratiens Familie ausgelöscht, als dieser noch ein kleiner Junge war. Er wurde dafür zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nachdem er diese verbüßt hatte, wurde er in das Projekt „Dörfer der Versöhnung“ aufgenommen. „Ich wollte Gratien gleich um Vergebung bitten. Aber anfangs konnten wir uns nicht in die Augen schauen. Erst nach und nach waren Gespräche möglich“, sagt John Muhaderanna. „Es hat einfach seine Zeit gebraucht. Nach allem, was er mir und meinen Angehörigen angetan hatte, konnte ich ihm einfach nicht sofort vergeben“, erzählt Gratien Rwamirindi. „Doch jetzt leben beide nur einen Steinwurf voneinander entfernt und kommen gut miteinander klar. Das ist das beste Zeugnis für das neue Ruanda“, fügt er hinzu.

Solche Beispiele zeigen, dass es sich lohnt, in Versöhnungsprojekte zu investieren, wie es die Hoffnungsträger Stiftung seit ihrer Gründung tut. „Es ist schockierend, die Schicksale der Hinterbliebenen des Völkermordes in Ruanda zu hören. Gleichzeitig ist es faszinierend, wie viele es schaffen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich auf einen Versöhnungsprozess einzulassen. Der Prozess von Schuld und Wiedergutmachung, von Leid und Versöhnungsbereitschaft ist ein schwerer Weg für alle Beteiligten. Doch er führt in die Zukunft, in eine gemeinsame hoffnungsvolle Zukunft. Die Dörfer der Versöhnung sind durch die gemeinsame Arbeit von Opfern und Tätern entstanden. Nun können sie in Frieden und Versöhnung zusammenleben und ihre Zukunft gestalten“, sagt Stiftungsgründer Tobias Merckle.

Der Versöhnungsprozess, der in den Dörfern in Ruanda stattfand, hat laut Tobias Merckle Vorbildcharakter für andere Regionen der Welt, in denen Gewalt, Hass und Krieg regieren. Sie standen auch Pate für die „Dörfer der Versöhnung“ in Kolumbien.

Axel Jeroma