Familien von Gefangenen - Hoffnungsträger
Großmutter Zola und Enkeltochter Grace vor ihrem Haus in Ndola, Sambia

Gemeinschaft ist heilsam für Familien von Gefangenen

Familien, bei denen ein Elternteil im Gefängnis ist, sind häufig von Diskriminierung und Isolation betroffen. Im Fall der Familie Kwasi ist das Geschehene so schlimm, dass das Umfeld nichts davon weiß. Dabei ist genau das wichtig und heilsam für die Betroffenen. Hoffnungsträger und Prison Fellowship Sambia schaffen geschützte Räume, in denen Gespräche möglich sind.

Die Mutter tot, der Vater im Gefängnis: Das ist das Schicksal von Grace, 14 Jahre aus Ndola, Sambia. Seitdem kümmert sich Großmutter Zola um das Mädchen. Wir besuchen die beiden gemeinsam mit Mitarbeitern der Hoffnungsträger Partnerorganisation Prison Fellowship Sambia in ihrem Haus in einem Slum Ndolas. Die Großmutter und ihr Enkelkind bitten uns herein und tragen Hocker und Kisten als Sitzmöglichkeiten in das Wohnzimmer, in dem zu diesem Zeitpunkt nur ein kleiner Röhrenfernsehr steht, sonst nichts. Wie wir später erfahren, ist dies derzeit die einzige Lichtquelle in der gesamten Wohnung. Am fehlenden Strom liegt es nicht, sondern den kaputten Glühbirnen. Jacob, Sozialarbeiter bei Prison Fellowship Sambia, notiert den Mangel und verspricht demnächst neue vorbei zu bringen.

Ein heikles Thema

Als fremder Gast aus Deutschland ahne ich, dass ich eine gewagte Frage stelle: „Wie lange ist der Vater schon im Gefängnis?“ Darüber muss Großmutter Zola erst nachdenken. „Seit sieben Jahren“, antwortet sie schließlich. „Und wie viele sind es insgesamt?“ Als Zola spricht, senkt sie den Kopf. „25 Jahre.“ Im weiteren Gespräch erfahren wir, dass Mord, der Grund für die Haftstrafe ist.

Von den lokalen Sozialarbeitern liegen Informationen vor, dass Diskriminierung von Familien von Gefangenen im eigenen Umfeld ein echtes Problem darstellt. Die Kinder werden mit Skepsis beäugt, in manchen Fällen sogar beschimpft und gemobbt. Ob Zola und Grace auch schon solche Erfahrungen machen mussten, möchte ich wissen. „Zum Glück nicht“, sagt Zola. „In unserer Community gibt es sogar zwei Familien, die uns unterstützten und ab und an Essen vorbeibringen.“ Diese Hilfe ist ein großes Geschenk für die kleine Familie, da das tägliche Überleben eine große Bürde für Zola bedeutet. Sie selbst hat keinen Job und durch die fehlenden Eltern von Grace gibt es keinerlei Einkommen.

Warum der Vater von Grace im Gefängnis ist, weiß in der Community - so wird ein Wohnviertel in Sambia genannt - niemand. Es ist das Geheimnis des Mädchens und ihrer Großmutter. "Mord wird in unserer Gegend hart verurteilt“, erklärt Zola, „wir können es niemandem erzählen.“ Die beiden Frauen sitzen mit dem Rücken an die Wand ihres Wohnzimmers gepresst. Zola meidet den Blickkontakt.

„Das Geheimnis schneidet uns von anderen ab“, ergänzt Zola.

Das Haus aus Stein, Großmutter und Enkeltochter in der Veranda stehend
Grace und Großmutter Zola stehen vor ihrem Haus in Ndola.

Sprachräume schaffen

Sozialarbeiter Jacob berichtet weiter, als Zola verstummt. Er kennt und begleitet die Familie schon länger. „Es gibt regelmäßige Treffen mit anderen betroffenen Familien in der Gegend. Dort haben sie Gelegenheit, über das Geschehene zu sprechen.“ Zola nickt und ergänzt: „Dort sind wir unter Gleichgesinnten.“

In diesem Moment schaut eine junge sambische Frau zur Tür hinein, winkt, grüßt in die Runde und verlässt uns wieder. Sie heißt Precious und arbeitet als Freiwillige bei Prison Fellowship Sambia. „Unser Volunteer-Staff ist unentbehrlich“, sagt Jacob. Volunteers ist die Bezeichnung für die ehrenamtlichen Unterstützer der Arbeit. „Gerade die jungen Frauen haben einen tollen Draht zu den Müttern.“

Die Unterstützung für junge, alleinstehende Mütter ist eine der Kernaufgaben im Patenprogramm. In nahezu allen Fällen sind die Väter im Gefängnis. Zurück bleiben dann die Mütter oder auch Großmütter, die wegen mangelnder Bildung keine guten Jobs bekommen und oftmals über keinerlei Einkommen verfügen.

  • Die Austauschtreffen für Familien von Gefangenen finden jedes Wochenende statt.
  • Geschützte Gesprächsräume stehen in den Büroräumen von Prison Fellowship Sambia sowie der lokalen Kirche zur Verfügung.
  • Jede Familie wird von geschulten Sozialarbeitern betreut.
  • Sozialarbeiter ermutigen die Familien, über das Geschehene zu sprechen.

Wie können Kinder von Gefangenen Chancen auf eine bessere Zukunft erhalten?

Die Schulausbildung von Grace kostet Geld, das Zola nicht hat. Aber Grace nimmt seit 2014 am Hoffnungsträger Patenprogramm teil und bekommt so die Chance auf eine gute Schulausbildung. Durch die Patenschaft werden die Schulgebühren und Schulmaterialien bezahlt. Grace ist sehr gut in der Schule und geht in die 7. Klasse. Erst heute hat sie einen Teil des anstehenden finalen Examens geschrieben. Grace grinst über das ganze Gesicht, als ich sie auf die Schule anspreche. „Die Schule macht mir viel Spaß, besonders Mathe“, sagt sie.

„Ich möchte später mal meinen Doktor machen“, sagt Grace in perfektem Englisch.


Zukunft schaffen. Bildung ermöglichen. Patenschaft übernehmen.

Zukunft schaffen. Bildung ermöglichen. Patenschaft übernehmen.

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