Flüchtlinge Integration Hoffnungsträger Hoffnungshäuser Tobias Merckle Leonberg Kinan

„Nach fünf Jahren fühle ich mich wieder als Mensch. Ich bin Kinan in Deutschland.”

Kinan ist 25 Jahre alt, Syrer, ehemaliger Bewohner des Hoffnungshauses Leonberg und vor sechs Jahren nach Deutschland gekommen. Jetzt wohnt er in einer WG in Stuttgart, hat sich selbstständig gemacht als Webdesigner und -Entwickler und arbeitet in einem Weltcafé. Mit ihm habe ich darüber gesprochen, was Integration bedeutet und was es braucht, um wirklich anzukommen.

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Journalisten machen sich über die Bedeutung von Worten Gedanken. So kam es auch, dass die Bezeichnung „Geflüchtete” vermehrt dem Wort „Flüchtlinge” vorgezogen wurde – mit dem Ziel, die Geschehnisse, die diesen Personen widerfahren sind, als eine Handlung der Vergangenheit zu betonen, statt zu einer dauerhaften Zuschreibung zu machen. Wie siehst du das? 

Solche Begriffe bezeichnen ja vor allem einen politischen und sozialen Status. Ich zum Beispiel habe gezielt versucht, aus dem Begriff „Flüchtling” oder ähnliches herauszukommen. Ich war Student, heute bin ich Gründer – das sind jeweils Phasen, ein Abschnitt. Das Leben besteht aus vielen davon. 

Findest du die Beschreibung „Mensch mit Fluchterfahrung” besser? 

Ja, wenn man sagt, dass es sich auf die Vergangenheit bezieht, eine Erfahrung ist, finde ich es okay. Also „mit Fluchterfahrung” oder „geflüchtet” – das ist ja eine Tatsache. 

Die Reise 

Kinan, du bist vor sechs Jahren nach Deutschland gekommen. Warum? 

Als ich in Syrien, Damaskus, gelebt habe, habe ich angefangen, englische Literatur zu studieren, das war in den Jahren 2014 bis 2015. Der Krieg war schlimm. Jedes Mal, wenn ich das Haus verlassen habe, wussten meine Eltern nicht, ob ich zurückkomme. Das Leben war so schlecht und gefährlich. Auf dem Weg von meinem Zuhause bis zur Uni gab es insgesamt sechs Checkpoints, an denen ich kontrolliert wurde. Ich wurde oft befragt und war in Gefahr, verhaftet zu werden. Es gab ständig Stress. Ich glaube fast, die Soldaten haben sich da einen Spaß draus gemacht. 

‚Ich will hier raus’ – das dachte ich mir die ganze Zeit.  

Einmal, als es zu einer sehr kritischen Situation am Checkpoint kam, bin ich voller Wut nach Hause gegangen – ich hatte Glück, dass ich überhaupt zurück nach Hause gehen durfte. Der Gedanke, weg zu wollen, war sehr stark. Das war kein Leben, keine Perspektive! Vor allem nicht für einen jungen Menschen.  

‚Ich will hier raus’ – das dachte ich mir die ganze Zeit.

Wie ging es dann weiter? 

Mein Traum war es, in Deutschland zu studieren, das war mein großes Ziel – schon vor dem Krieg. Ein Freund meines Vaters hatte schon Erfahrung mit dem Arbeiten in Deutschland und Europa. Die gemeinsame Ausreise hat aber nicht geklappt. Dann musste ich alleine planen: Schlepper suchen, die Route wählen. Das war Recherche übers Internet.  

Dann ist nach und nach eine Gruppe von Leuten entstanden, mit denen ich mich zusammengetan habe. Unter anderem waren ein Freund und auch mein Cousin dabei, der bereits in der Türkei war, dem es dort aber sehr schlecht ging. Wir haben uns mit einem Boot auf den Weg gemacht, mit Leuten, die teilweise schon fünf-, sechsmal die Reise begonnen haben und gescheitert sind.  

Die komplette Reise ging über den Libanon, in die Türkei, nach Griechenland. In Griechenland habe ich mich das erste Mal obdachlos gefühlt, wir haben an der Straße geschlafen. Auf der anderen Straßenseite waren volle Clubs und Bars, Menschen mitten im Leben. Man hat den sozialen Unterschied auf der Haut gespürt. 

Dann kam Mazedonien (die UN hat organisiert, dass wir dort reinkommen), Serbien, Ungarn, Österreich, Deutschland. Das war 2015, als wir ankamen. Alles zusammen dauerte 21 Tage.  

Wie hast du dich unterwegs gefühlt? 

In Syrien hat man überall den Tod gesehen, Freunde sind gestorben. Todesangst aufgrund der Reise war daher kein großes Thema für mich, sondern nur das Überleben. Ich war auch jung, 19 Jahre alt. Ich war schon immer ein abenteuerlicher Typ, vermutlich konnte ich mich auch deshalb leichter darauf einlassen. Aber klar, es gab große und emotionale Momente. Zum Beispiel die Ankunft in Griechenland. Ich war überwältigt und dachte: ‚Krass, ich bin in Europa, ich habe es geschafft.’ Meine Eltern hatten mehr Angst um mich. 

Ankommen 

Wie war deine Ankunft in Deutschland? Was waren deine ersten Stationen, Begegnungen, Gedanken? 

Wir (mein Cousin, der Freund aus Syrien und ich) sind mit dem Zug aus Österreich in Berlin angekommen. Niemand hat uns vorher gesagt, wo wir hinfahren. Es hat gestunken, weil der Zug voller Menschen war, die eine lange Reise hinter sich hatten. Die Fahrt dauerte 9 Stunden und fühlte sich unendlich an. Dann waren wir endlich in Berlin. Dort sind wir in einer Notunterkunft untergekommen. Wir drei waren gut drauf und haben direkt im Camp mit angepackt, sodass man uns sogar mit den Mitarbeitenden verwechselt hat (lacht).  

Der nächste Schritt war eine Unterkunft in einer amerikanischen Kaserne in Hardheim in Baden-Württemberg. Oder wie mein Freund sagte: „hard time” (lacht). Die Kaserne selbst war gut, sauber und gepflegt, aber der Aufenthalt war wie im Gefängnis – mit Sperrzeiten. Dort blieben wir für drei Monate. 

Dann kam die Erlaubnis, umzuziehen, und wir kamen nach Leonberg. Anfangs waren wir in einer Sporthalle mit ungefähr 1.500 Leuten. Es sind oft Ehrenamtliche zum Helfen gekommen, an Weihnachten haben sie zum Beispiel Sachen vorbeigebracht. Dort habe ich Thomas und Angelika Röhm von der Hoffnungsträger Stiftung kennengelernt. Sie kamen oft. 

Irgendwann sprachen sie vom Projekt Hoffnungshaus, das in Leonberg eröffnen sollte, und über Integration. Das klang interessant, klar haben wir dazu Ja gesagt. 

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Es gab Unterstützung im Hoffnungshaus. Die Menschen waren wie Freunde, niemand hat uns verurteilt. Deshalb hatte ich keine Angst, offen und ich selbst zu sein.

Das klingt so, als ob du dem Weg bis dahin mit einer ziemlich positiven und entspannten Haltung begegnet bist. Wie warst du wirklich drauf? 

Ich war nicht positiv, aber realistisch. Ich habe mich nicht vom Urteil anderer beeinflussen lassen oder abhängig gemacht. Ob die Unterkünfte nun schlecht waren oder nicht, zum Beispiel. Ich habe es als das angenommen, was es war. Außerdem konnte ich Englisch sprechen und es fiel mir leicht, mit anderen Kontakt aufzunehmen. Die Lebensart in Deutschland war mir nicht sehr fremd, weil sie Ähnlichkeiten hat zu dem, wie mein Umfeld und ich in Syrien lebten. Klar ist es in Deutschland anders, aber es war nicht fremd. Und das gilt ja auch für jede neue Kultur: Man muss sie erfahren und kennenlernen.  

Wie kam es schließlich zum Einzug im Hoffnungshaus Leonberg? Wie war die Zeit dort? Wie lange hast du dort gelebt? 

Ich bin im neu eröffneten Hoffnungshaus in Leonberg zwischen Dezember 2016 und Januar 2017 eingezogen. Mein Cousin, mein Freund und ich sind dort mit zwei Deutschen in eine WG gezogen.  

Es war ein guter Schritt im Leben für uns drei. Ich „wohnte” jetzt, also mit Rückzugsraum, konnte mich wieder wie ein normaler Mensch fühlen und anfangen, mein Leben weiter zu planen. Ich hatte einen Computer und Internet, meine eigenen Sachen, einen Zimmerschlüssel. Davor war das nicht möglich. Das war erst mal das Wichtigste. 

Und es gab Unterstützung im Hoffnungshaus, die Menschen waren wie Freunde. Niemand hat uns verurteilt. Deshalb hatte ich keine Angst, offen und ich selbst zu sein. Ich spürte auch Unabhängigkeit, eine Erholung von dem, was zuvor war – ich war weder abhängig noch isoliert. Wir lebten ja mitten im Wohngebiet von Leonberg und nicht so isoliert von allem, wie es bei den vorherigen Wohnheimen der Fall war – vor allem für junge Leute wie uns war das ganz wichtig. Wir hatten ja keine Ehen und Familien, sondern waren alleine. 

Im Hoffnungshaus spürte ich Unabhängigkeit – eine Erholung von dem, was zuvor war. Ich war weder abhängig noch isoliert.

Wie war es, erstmalig mit Deutschen in der WG zusammenzuleben? 

Es war absolut gut, aber keine besondere Erfahrung. Einer von ihnen war viel beschäftigt und ständig arbeiten. Sie hatten andere Sachen in ihrem Leben, weshalb wir nicht so viel gemeinsame Zeit verbracht haben. Das war okay. Eine WG-Gründung im Hoffnungshaus finde ich schwieriger, als es beispielsweise für eine Familie im Hoffnungshaus ist. Im Vergleich zu meiner jetzigen WG in Stuttgart merke ich den Unterschied: Man wählt Mitbewohner aus und schaut sich WGs an. Im Hoffnungshaus ist es eher das Wohn-Konzept einer WG. Aber wie gesagt, es war auf keinen Fall eine schlechte Erfahrung. 

Job und Ausbildung 

Wie ging es mit deiner Ausbildung und deinem Studium weiter? Wo hast du Deutsch gelernt? 

Angefangen, Deutsch zu lernen, habe ich schon, bevor ich nach Leonberg kam. Es gab Sprachkurse in den Wohnheimen und Deutschkurse durch Ehrenamtliche. Mit diesen und dem persönlichen Studium habe ich Deutsch auf Level A2 gelernt.  

Level B1 bis C1 habe ich dann in Sprachschulen in Stuttgart gemacht. 2018 habe ich im Wintersemester an der HdM Uni Stuttgart (Hochschule der Medien) angefangen, Informationsdesign zu studieren. Erst bin ich da noch im Hoffnungshaus geblieben, dann bin ich irgendwann ins Studentenwohnheim gezogen. Im Juni 2019 bin ich aus dem Hoffnungshaus ausgezogen. 

Leider habe ich das Studium nicht abschließen können, weil ich eine Klausur vermasselt habe. Es ging mir nicht gut und einen Versuch habe ich nicht bestanden. Das war sehr schade und schwer, ich war einige Wochen deprimiert. Zum Glück konnte ich mich relativ schnell davon erholen, denn ich denke, dass so etwas nicht das Ende des Lebens, sondern immer auch eine Chance ist, etwas Neues anzufangen. 
 

Dann habe ich mich mit meinem Cousin selbstständig gemacht. Ich wollte selbstständig sein, ich hatte keinen Bock mehr auf BAföG. Es gab so viele Schwierigkeiten damit, ich musste es alle drei Monate neu beantragen und mir oft Geld leihen, weil es zu Zahlungspausen kam. Das war auch ein Grund, warum ich mich nicht so gut aufs Studium konzentrieren konnte. Wer weiß, vielleicht werde ich ja doch nochmal studieren gehen, wenn die Firma gut läuft, einfach nur für mich, weil es mir Spaß macht. 

Was ist dein Tätigkeits-Schwerpunkt? Was für ein Unternehmen hast du gegründet? 

Wir haben unser Unternehmen „Control.n” im April 2021 angemeldet: Wir machen Grafikdesign, Web- und App-Entwicklung.  

Ich habe schon früher Grafikdesign gemacht und war künstlerisch unterwegs. Im Studium habe ich ein bisschen in das Programmieren reingeguckt, das hat mir Spaß gemacht. Richtig programmieren habe ich mir selbst nach dem Studium beigebracht. Jetzt programmiere ich hauptsächlich Code,  mache aber auch Design.  

Wofür steht „Control.n”? 

Das ist ein Shortcut auf der PC-Tastatur: „Control” plus „N” erstellt ein neues Dokument. Das ist bildlich gemeint. Wir helfen Kunden ja, eine neue Webseite, ein neues Vorhaben zu erstellen und geben ihnen Kontrolle darüber. In Deutsch steht auf der Tastatur stattdessen „Strg” für Steuerung.  

Ich weiß, was ich zu erzählen habe, kann anderen helfen, Geflüchtete besser zu verstehen.

Integration 

Manchmal gewinne ich den Eindruck, Integration bedeutet für einige, wenn Menschen mit Migrationshintergrund möglichst deutsch werden. Wie verstehst du Integration? Wie gelingt sie auf beiden Seiten bzw. woran erkennt man, dass sie gelungen ist?  

Manche Leute, die mich getroffen haben, sagten: „Das ist richtige Integration.” Dabei war ich nur ich selbst. 

Ich finde, Integration wird immer dann schwierig, wenn die betreffenden Personen sehr stark irgendwelchen Ideologien anhängen und darauf festgelegt sind, zum Beispiel bezüglich Religion oder Nationalität. Dann steht diese Identifikation wie eine Wand zwischen der Person und der Gesellschaft, in der sie sich befindet. Ich versuche, möglichst frei davon zu sein. 

Ich finde auch, es braucht Offenheit, Akzeptanz und Bildung in diesem Thema. Außerdem spielt Liebe eine große Rolle: „Liebe jeden wie dich selbst.” Man darf nicht nur das Anderssein anderer sehen und in Schubladen denken: „Deutsche sind so, Syrer sind so.” Das passiert ja auf beiden Seiten. Man muss frei sein, flexibel, sich von Vorstellungen lösen, und man darf keine Angst haben. 

Was braucht es, um gesellschaftlich anzukommen? (Oder: Muss man das überhaupt?) Was ist hilfreich und was hilft nicht, aus deiner Sicht? 

Ich lebe hier, ich wohne hier, dann muss und möchte ich Teil dieses Landes sein, mein eigenes Leben als Teil der Gesellschaft beitragen. Klar kann man für sich sein, aber dann kann man auch nicht viel erwarten. Es muss eine Beziehung sein, die auf Geben und Nehmen basiert. Das gilt zwischen Menschen und zwischen einem selbst und dem Land/der Gesellschaft.  

Für diese Connection braucht es Voraussetzungen: Sprache, Offenheit, das Schauen auf Gesetze und Regeln – und dabei meine ich auch die unausgesprochenen Gesetze. Nicht alle sind zwingend, aber zumindest sollte man sie respektieren. 

Was ist Anpassung? Oder sollte man lieber einfach man selbst bleiben? 

Falsch finde ich, zu sagen: „Du musst genau so sein.” Es ist wichtig, man selbst sein zu können. Dann gibt es noch Bereiche, die nicht personen-, sondern kulturbezogen sind. Das ist veränderlich, das ist gemeinschaftlich, rituell. Dazu hilft es, erst mal die Gesellschaft zu beobachten und zu verstehen. 

Von meiner Persönlichkeit her bin ich zum Beispiel ein Mensch, der gerne über seine Gefühle redet. Das ist mir wichtig. Dann habe ich beobachtet, dass es viele in Deutschland um mich herum nicht so gemacht haben und ich habe mich angepasst. Damit bin ich aber unglücklich geworden und habe mich selbst nicht mehr gespürt. Das war ein Fehler, denn ich muss mich akzeptieren und zu mir stehen. Hier ging das Anpassen in die falsche Richtung. 

Wie gehst du heute mit den zwei Kulturen in deinem Leben um? Das Eigene bewahren? Neues aneignen? Inwieweit beschäftigt dich diese Thematik?  

In Syrien habe ich so schlechte Erfahrungen gemacht, dass ich nach und nach einen Hass gegen meine eigene Kultur entwickelt habe. Irgendwann habe ich aber gemerkt: Ich hasse nur mich selbst. Ich habe in den letzten zwei Jahren gelernt, zu umarmen und nicht anzufeinden, was Teil von mir ist. Dabei habe ich auch gelernt, mich selbst zu lieben. Ich kann alles lieben und akzeptieren, wenn ich möchte. Ich kann das aus der syrischen und der deutschen Kultur annehmen, was mir entspricht, egal, was andere darüber denken.  

Ich finde es generell wichtig, dass man über den Aspekt der Kultur hinaussieht: Man muss das Menschliche in den Menschen sehen, das, was uns miteinander verbindet, nicht nur kulturelle Unterschiede, denn das entfernt Menschen auf Dauer voneinander. 

Wie gehst du mit Anfeindungen und Vorurteilen um? 

Ich habe einen Vorteil: Man sieht mir meine arabischen Wurzeln nicht so an. Es gab mal eine Situation, spätabends haben wir auf die Bahn gewartet und es ist ein Gespräch entstanden mit der Person, die neben mir saß. Erst war alles normal, dann, als mein Hintergrund im Gespräch deutlich wurde, fing die Person an, mich lautstark zu beschimpfen. Am Anfang war alles kein Problem, erst zum Schluss hat er seine Verhaltensweise verändert. 

Heute würde ich sagen: Ich sage gar nichts dazu, ich würde still bleiben. Weil ich weiß, ich denke so nicht und will mit solchen Menschen auch nichts zu tun haben. 

Fragt mich 'Was hörst du gern für Musik?' 'Was liest du gerade für ein Buch?', hauptsache nicht: 'Woher kommst du?'

Was wünschst du dir, als Erstes bei einer neuen Begegnung gefragt zu werden? 

'Was hörst du gern für Musik?' 'Was liest du gerade für ein Buch?' Hauptsache nicht: 'Woher kommst du?' 

Fühlst du dich heute integriert? Oder: Wurdest du integriert? 

Nach fünf Jahren fühle ich mich als Mensch. Jetzt bin ich frei, Mensch zu sein. Vorher war ich festgeschrieben auf „Flüchtling” oder ähnliches. Ich bin einfach: Kinan in Deutschland.  

Welchen positiven Einfluss hatte das Leben im Hoffnungshaus auf dich (Ankommen, Selbstständigkeit)? Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen? 

Sehr viel. In Syrien hatte ich immer ein sicheres Netz, ich wusste, ich habe Unterstützung. Man kannte sich aus, wusste, wie man sich verhalten soll. So war es im Hoffnungshaus auch, ich hatte Ansprechpartner. Der menschliche, emotionale Halt dort hat geholfen, mich als junger Mensch weiterzuentwickeln – der Kontakt mit anderen und ein Schlüssel zu meinem eigenen Reich. Das war ein sehr guter Start, um mein Leben weiter zu bauen, mir zu vertrauen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass das Hoffnungshaus keine Dauerlösung ist. Es ist eine Phase. Es sollte klar sein, dass es danach weiter gehen soll. 

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass das Hoffnungshaus keine Dauerlösung ist. Es ist eine Phase, danach soll es weiter gehen.

Ausblick 

Was hast du in deiner Zukunft vor? 

Ich wünsche mir, dass es der Firma gutgeht, und auf eigenen Beinen zu stehen. Ich möchte mich mehr mit Kunst und gesellschaftlichen Themen beschäftigen.  

Hoffnungsträger hat mir etwas Wichtiges im Leben geschenkt. Wenn ich unterstützen kann, möchte ich das tun. Ich weiß, was ich zu erzählen habe, kann anderen helfen, Geflüchtete besser zu verstehen. Das will ich weitergeben. 

Danke für das Gespräch! 


Wie gelingt Integration?

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Jetzt das Interview mit der ersten Hoffnungshaus-Standortleiterin Angelika Röhm lesen.

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