Bad Liebenzell Hoffnungshausleiter - Hoffnungsträger

"Hier finden wir Frieden und Geborgenheit"

Die Hoffnungshäuser in Bad Liebenzell bieten Menschen aus sechs verschiedenen Nationen ein neues Zuhause. Wir haben Sarah und Tobias Zinser besucht, die gemeinsam die Häuser leiten.

Die beiden Hoffnungshäuser in Bad Liebenzell umgibt eine besondere Atmosphäre. Sobald man sich ihnen nähert, vermitteln sie ein Gefühl von Frieden und Geborgenheit. Das mag ein Stück weit ihrer idyllischen Lage in der Stadt im Nordschwarzwald geschuldet sein, wo die Häuser am Hang gelegen sind. Doch es sind vor allem die Zufriedenheit und Gastfreundschaft der darin lebenden Menschen, die diesen Eindruck verstärken. 43 Bewohner aus sechs Nationen sind in die Hoffnungshäuser eingezogen. Es handelt sich um Studierende der Internationalen Theologischen Hochschule und der Interkulturellen Theologischen Akademie sowie Frauen, Männer und Kinder aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Pakistan und Somalia. Außerdem wohnen hier das Ehepaar Zinser sowie eine weitere einheimische Familie. Zwölf Wohnungen stehen insgesamt in beiden Häusern zur Verfügung.

„In der Sammelunterkunft, wo wir einige Zeit verbracht haben, war es laut. Manchmal gab es auch Streit unter den Bewohnern. Hier ist alles ganz anders. Wir haben genau das gefunden, wonach wir uns so lange gesehnt haben — Frieden und Geborgenheit.“ - Yassir, Bewohner Hoffnungshaus Bad Liebenzell

Sarah und Tobias Zinser leiten die Hoffnungshäuser in Bad Liebenzell, die Hoffnungsträger in Kooperation mit der Liebenzeller Mission betreibt. Sie sind seit 2008 verheiratet und haben vier Kinder. Die Zinsers waren die ersten, die sich ihr neues Zuhause eingerichtet hatten. Ihr wichtigstes Anliegen in der Anfangszeit war es, aus der bunten Schar aus Geflüchteten und Einheimischen eine gut funktionierende Hausgemeinschaft aufzubauen.

„Erste tolle Aktionen gab es schon. Studenten haben die Geflüchteten mit selbst gebackenem Kuchen begrüßt. Und beim Aufbau der Möbel haben alle, die da waren, zusammen angepackt. Das hat großen Spaß gemacht“, erzählt Tobias Zinser. Er hat mit seiner Familie einige Zeit in Afghanistan gelebt und weiß, wie man sich sicher im interkulturellen Umfeld bewegt. An diesem Nachmittag will er bei zwei Familien vorbeischauen und heraushören, wie es ihnen bislang in den neuen vier Wänden ergangen ist. Hufania, eine junge Frau aus dem Jemen, freut sich über den spontanen Besuch. Auf dem Arm hält sie ihre einjährige Tochter Alia. Ihr Mann Sharif sei leider nicht da, lässt sie Tobias Zinser entschuldigend wissen. Er müsse etwas Dringendes auf dem Amt erledigen. Bei einer Tasse Tee beginnt die junge Frau zu erzählen. Von ihrer Flucht vor der Gewalt im Jemen und in Somalia, von der monatelangen Odyssee zu Fuß über Äthiopien nach Libyen, wo die geplante Weiterreise nach Europa jäh gestoppt wird. Weil das Geld nicht reicht, lassen die Schlepper nur die zu diesem Zeitpunkt hochschwangere Hufania auf eines der Flüchtlingsboote. Sharif muss bleiben. „Die Trennung von meinem Mann war einfach schrecklich“, sagt sie mit leiser Stimme.

Die gefährliche Überfahrt übers Mittelmeer verläuft Gott sei Dank ohne Zwischenfälle. Nach einem kurzen Aufenthalt in Italien zieht Hufania weiter nach Deutschland und landet schließlich in Böblingen, Baden-Württemberg, wo sie ihre Tochter zur Welt bringt. In der Zwischenzeit hat sich auch Sharif wieder auf den Weg gemacht, um seine Frau und sein Kind zu suchen. Nach einem Jahr liegen sich die drei in den Armen. Im Hoffnungshaus versuchen sie jetzt erst einmal zur Ruhe zu kommen und sich ein neues, kleines Familienglück in Deutschland aufzubauen.

„Wir werden dabei helfen“, verspricht Tobias Zinser und verabschiedet sich, um eine weitere Familie zu treffen. In der Wohnung von Yassir und Faizah fällt die Begrüßung ausgesprochen herzlich aus. Sie hatten seit ihrer Ankunft in Bad Liebenzell schon mehrfach Kontakt mit den Zinsers. „Komm, setz dich“, lautet Yassirs unmissverständliche Einladung an den Besucher, am Küchentisch Platz zu nehmen. Yassir und seine Frau stammen aus Bagdad und flohen vor dem Schrecken des Bürgerkriegs nach Deutschland.

„Es ist schlimm, was aus unserer Heimat geworden ist. Man musste ständig auf der Hut sein, um nicht zwischen die Fronten der Auseinandersetzungen zu geraten. Schießereien und Bombenanschläge gehörten zum Alltag“, erzählt Yassir, während seine Frau einen orientalischen Mokka zubereitet. Es ist ihm anzumerken, wie stolz und glücklich er ist, dass er mit seiner Frau und den beiden jüngsten Söhnen im Hoffnungshaus leben kann. „Richte den Leuten in der Stiftung unseren herzlichen Dank aus, dass sie die Häuser gebaut haben“, trägt er seinem Gast auf. Für seine Familie bedeute der Umzug einen enormen Zuwachs an Lebensqualität. „In der Sammelunterkunft, wo wir einige Zeit verbracht haben, war es laut. Manchmal gab es auch Streit unter den Bewohnern. Hier ist alles ganz anders. Wir haben genau das gefunden, wonach wir uns so lange gesehnt haben — Frieden und Geborgenheit“, sagt Yassir mit einem zufriedenen Lächeln.

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