Ein Nachmittag voller Begegnungen - Hoffnungsträger

Ein Nachmittag voller Begegnungen

Es ist der erste Begegnungsnachmittag der Hoffnungshäuser. Die Idee dahinter: alle Bewohner der verschiedenen Hoffnungshäuser sollen sich treffen und kennenlernen. Sozialarbeiterin Hanna Keppler vom Hoffnungshaus in Bad Liebenzell war dabei und erzählt von ihrem Tag.

13:00 Uhr 

Es herrscht Aufbruchsstimmung in den Hoffnungshäusern Bad Liebenzell. Die Vorfreude ist groß und in der vergangenen Woche haben wir immer wieder darüber gesprochen: Der Begegnungsnachmittag mit allen Hoffnungshäusern! Jetzt geht’s los!

Mit Picknickdecken, Essenskörben und Rucksäcken bepackt machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle, die etwa fünf Minuten zu Fuß entfernt ist. Dort werden wir freundlich vom Busfahrer empfangen, der uns gleich das Gepäck abnimmt und im Bauch des Reisebusses verstaut.

Mit Bussen fahren die Bewohner aus den verschiedenen Standorten nach Leonberg
Die Mädchen freuen sich schon

Als ich den Bus betrete, sehe ich schon einige Familien, die bereits ihre Plätze eingenommen haben. Nachdem wir einmal durchgezählt haben, ob auch alle da sind, starten wir in Richtung Leonberg. Neben mir sitzt die 14-jährige Fatima. Sie ist vor vier Jahren mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland geflüchtet und seit Anfang letzten Jahres wohnen sie bei uns in den Hoffnungshäusern. Wir unterhalten uns über die Schule, Jungs und die bevorstehenden Sommerferien, auf die sich Fatima schon sehr freut.
Den Kindern hinten im Bus wird es während der Fahrt schnell langweilig und meine Mitbewohnerin Deborah fängt an, mit ihnen ein Spiel zu spielen: „Ich sehe was, was du nicht siehst.“

Langsam trudeln die Bewohner ein und lassen sich auf Picknickdecken nieder
Vorstand Marcus Witzke heißt die Bewohner der Hoffnungshäuser willkommen

14:00 Uhr 

Nach einer etwa 30-minütigen Fahrt kommen wir beim Seehaus in Leonberg an. Angi Röhm erwartet uns schon, als wir aus dem Bus steigen: „Hallo, schön, dass ihr da seid!“ Nachdem wir unser Gepäck ausgeladen haben, suchen wir uns auf der großen Wiese einen Platz und breiten unsere Picknickdecken aus. Da es heute unschlagbare 34 Grad heiß ist, sind wir froh, dass das Gelände größtenteils im Schatten liegt und wir uns auch gleich bei den gekühlten Getränken bedienen dürfen. Die Kinder freuen sich über eine Abkühlung im Planschbecken oder vom Rasensprenger. Ein paar Hoffnungshausbewohner aus Leonberg sind auch schon da. Einige Mitarbeiter der Stiftung bauen noch das Buffet auf.

"Herzlich Willkommen" - ist hier jeder

14:15 Uhr 

Die Esslinger Hoffnungshäusler sind eingetroffen und der Platz füllt sich. Als ich mich umsehe, fällt mir gleich die Vielfalt an Menschen auf: verschiedene Hautfarben, Kopftuch oder kein Kopftuch, unterschiedliche Kleidungsstile. Mit einigen unserer Bewohnerinnen, die neben uns sitzen, unterhalten wir uns darüber, ob man eigentlich gleich am Aussehen erkennen kann, aus welchem Land eine Person kommt.

14:30 Uhr

Nun sind alle angekommen. Nicht nur Hoffnungshaus-Bewohner sind dabei, sondern auch Unterstützer, Freunde und Mitarbeiter vom Seehaus. Sogar ein paar Bewohner aus Schwäbisch Gmünd sind da, obwohl ihr Einzug noch bevorsteht. Angi Röhm begrüßt uns nochmal alle offiziell und erklärt kurz ein paar organisatorische Dinge. Dann übernimmt Vorstand Markus Witzke das Mikrofon. Er richtet uns Grüße von Tobias Merckle, dem Gründer der Hoffnungsträgerstiftung, aus. Leider kann er aus gesundheitlichen Gründen nicht beim Begegnungsnachmittag dabei sein. Gefördert wird der Begegnungsnachmittag übrigens von der „Aktion Mensch“.

Markus gibt uns noch einen Bibelvers aus Matthäus 11,28 mit einem kurzen Impuls weiter: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken!“

Das leckere Essen ist ein Highlight
Jedes Haus hat Essen mitgebracht
Martin Schenginger, Standortleiter in Schwäbisch Gmünd, macht den Grill an

15:00 Uhr

Das Buffet ist nun eröffnet. Da ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen habe, ist mein Hunger entsprechend groß. Martin Schechinger, Leiter der Hoffnungshäuser in Schwäbisch Gmünd, hat schon den Grill angemacht. Es dauert noch ein wenig, bis wir unsere Würstchen drauflegen können. Also fange ich erst mal an, das Buffet zu plündern. Jemand hat Biryani (arabisches Reisgericht) mitgebracht, darüber freue ich mich besonders. In der Zwischenzeit haben wir unseren Picknick-Platz verlegt, da es an der neuen Stelle deutlich kühler ist. Als der erste Hunger gestillt ist, ist auch der Grill bereit. Der Rauch brennt mir in den Augen, als ich unser Grillgut drauflegen will. Zum Glück gibt es ein paar nette und begabte Grillmeister, denen ich das Ganze überlassen kann.

16:00 Uhr

Joachim Lukas, Leiter der Hoffnungshäuser in Esslingen, hat ein Spiel mit Stationen vorbereitet. Alle Hoffnungshäuser treten gegeneinander an. Fatima hat erst keine Lust, mitzumachen, aber ich überzeuge sie, es doch mal auszuprobieren. Auf dem Heimweg erzählt sie freudestrahlend, wie viel Spaß es ihr gemacht hat. Es gab Sackhüpfen, Teebeutel-Weitwurf, Wasserschöpfen und Eierlauf.

Die Bewohner versuchen, möglichst viel Wasser weiterzugeben... keine leichte Aufgabe.
Einige Bewohner der Hoffnungshäuser spielen das erste Mal Boccia

17:15 Uhr

Zum Abschluss machen wir ein Quiz mit verschiedenen Fragen zu den Hoffnungshäusern und der Hoffnungsträgerstiftung. Anschließend wird noch der Gewinner vom Stationenlauf bekanntgegeben: Den ersten Platz haben die Bewohner aus den Hoffnungshäusern in Schwäbisch Gmünd gemacht. Der zweite Platz geht an die Leonberger und der Dritte an uns Liebenzeller. Jeder Gewinner bekommt als Preis eine Sonnenblume, die wir dann im Garten der Häuser einpflanzen können.

Bestanden! Für die bestandene Olympiade gibt's ne Urkunde

17:30 Uhr

Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Der Bus steht schon bereit und wir machen uns auf den Heimweg. Zum Abschied winken uns die zurückgebliebenen Leonberger, Gmünder und Esslinger zu. „Wie schön!“, denke ich und habe das Gefühl, dass dieser Tag alle Bewohner ein Stück zueinander gebracht hat, auch, wenn wir an verschiedenen Standorten leben. Zwar haben wir nicht so viel mit den Bewohnern der anderen Häuser geredet, aber ein erster Schritt zur Vernetzung ist getan und eine tolle Gemeinschaft war es auf jeden Fall! Das finden auch unsere Bewohner aus Liebenzell und sind sich einig: Nächstes Jahr soll es wieder einen Begegnungsnachmittag geben!

Weitere Eindrücke vom Tag:

Das Hoffnungshaus Leonberg ist zahlreich gekommen
Für die älteren Bewohner gibt es sogar ein Sofa zum Ausruhen
Ob Groß oder Klein, jeder macht beim Eierlauf mit
Auch eine kreative Disziplin: Teebeutelweitwurf

Zur Autorin: Hanna Keppler studiert derzeit Theologie und Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext an der Internationalen Hochschule Liebenzell. Seit Februar 2018 wohnt sie in den Hoffnungshäusern Bad Liebenzell und hat im April 2019 angefangen dort als Sozialarbeiterin zu arbeiten. Sie unterstützt die Geflüchteten beim Kontakt mit Ämtern und Behörden, bei der Jobsuche und der Alltagsbewältigung hier in Deutschland.

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