Commerzbank Stiftung fördert interkulturelles Mehrgenerationen-Wohnen.

Mit der Fertigstellung und Eröffnung der Hoffnungshäuser und des Hoffnungsblicks in Schwäbisch Gmünd im Oktober 2020 hat Hoffnungsträger einen interkulturellen Mehrgenerationenstandort geschaffen. Damit wurde das bislang größte und komplexeste Vorhaben dieser Art realisiert. Hier werden gleich zwei Programme gelebt: Das gemeinsame Wohnen von Geflüchteten und Einheimischen sowie das Wohnen für Menschen ab 55 Jahren, die an gemeinschaftlichen Leben interessiert sind. Die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen der Bewohnenden erfordern professionelle Sozialarbeit, die von der Commerzbank Stiftung gefördert und finanziert wird.

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Das Hoffnungshaus-Konzept

Mit dem Hoffnungshaus-Konzept schafft die Hoffnungsträger Stiftung ein Gut, das in Deutschland rar ist: flexiblen, sozial verträglichen Wohnraum. Denn dieser ist hierzulande begrenzt oder kaum vorhanden. Mehr noch, Hoffnungsträger zeigt Wege auf, wie die Integration von geflüchteten Menschen gelingen kann und wie sie Mitglieder der hiesigen Gesellschaft werden können.

Wie kann eine solche Mammutaufgabe gelingen? In den Hoffnungshäusern geschieht das durch gemeinsames Wohnen von Einheimischen und Flüchtlingen – also durch gelebte Teilhabe von Geflüchteten an der Gesellschaft. Gemeinschaft in Vielfalt statt Abgrenzung. Interkulturelles Verständnis entwickeln statt Stereotype verfestigen. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, wenn man so will.

Hoffnungsträger bietet eine ganzheitliche Lösung für gelebte Integration: Mit dem Konzept des Hoffnungshauses schafft Hoffnungsträger ein sicheres Zuhause für Geflüchtete und eine langfristige Perspektive. Das geschieht durch folgende Module: integratives Wohnen, umfassende und qualitative Sozialarbeit, Sprachbildung sowie Ausbildung und Arbeit. Neben professionellen Teams setzt Hoffnungsträger dafür auf ein breites Netzwerk an Ehrenamtlichen.

Um diese Arbeit zu realisieren, benötigt es professionelle Sozialarbeit.

Wohnen neu gedacht in Schwäbisch Gmünd

Alle Hoffnungshaus-Standorte (aktuell führt die Hoffnungsträger Stiftung 9 Standorte in Süddeutschland, Stand Juli 2021) werden durch eine Standort-Leitung, ein Standort-Team, Ehrenamtliche sowie überzeugte Mitbewohnende getragen, die zur Realisierung der Vision beitragen.

Mit der Fertigstellung und Eröffnung des Standorts in Schwäbisch Gmünd im Oktober 2020 sind insgesamt vier Hoffnungshäuser mit 24 Wohnungen entstanden, in denen Geflüchtete und Menschen aus der Aufnahmegesellschaft wohnen sowie sozial benachteiligte Menschen und Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Auch Familien mit Familienmitgliedern mit speziellen Bedürfnissen finden hier Platz.

Ergänzt durch weitere zwei Gebäude mit 21 Wohnungen, die von der Generation 55+ bewohnt werden, wird der Hoffnungshaus-Campus zu einem „integrativen Mehrgenerationen-Standort".

Ziel ist es, allen Bewohnenden ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben zu ermöglichen. Dabei werden persönliche Bedürfnisse und Interessen berücksichtigt und in die Entstehung tragfähiger sozialer Beziehungen investiert.

Es geht nicht nur um Anträge und Papier. Es geht darum, wie wir als Team zum Beispiel eine Familie in ihrer Überforderung mit einem Kind unterstützen. Mit ihrem Know-how in der Sozialarbeit bringt Leonie da tolle reflektierte Ansichten mit. – Denise Schechinger, Standortleiterin in Schwäbisch Gmünd

Leonie Frank (rechts im Bild) unterstützt seit April 2021 als Sozialarbeiterin das Standort-Team in Schwäbisch Gmünd. Mit ihrem Mann Lukas wohnt sie im Hoffnungshaus und vereint so Arbeiten und Leben unter einem Dach. Hier ist sie im Gespräch mit ihrer Nachbarin zu sehen.

Commerzbank Stiftung fördert Sozialarbeiterstelle

Neben der Standortleitung, Martin und Denise Schechinger, welche sich in Schwäbisch Gmünd um die Organisation des Standorts kümmert (von der Hoffnungsträger Stiftung finanziert), gibt es seit April 2021 eine 50 %-Stelle für Sozialarbeit, die Leonie Frank übernimmt. Diese wird durch die Projekt-Förderung der Commerzbank-Stiftung ermöglicht. Gemeinsam mit ihrem Mann Lukas Frank, der im Standortmanagement tätig ist, lebt sie schon seit Herbst 2020 im Hoffnungshaus.

Leonie Frank macht es große Freude, mit Menschen im Gespräch zu sein. Sie sagt: „Unterschiedliche Kulturen und Generationen zusammenzubringen, Interessen und Bedarfe zu bündeln und eine Hausgemeinschaft zu gestalten, macht mir Spaß. So entstehen Nachhilfe, Lern-Unterstützung, Sprachaustausch, Kinderbetreuung oder -programme, gemeinsame Backaktionen, Seminare von und für Bewohner und vieles mehr.”

Das bunte Leben im Hoffnungshaus gestalten und begleiten – eine der vielen Aufgaben von Leonie Frank, Sozialarbeiterin am Standort Schwäbisch Gmünd.

Das Aufgabenspektrum umfasst die Arbeit des interkulturellen Mehrgenerationenstandorts, welches zwei Programme vereint:

  • Das integrative Wohnprogramm „Hoffnungshaus", wie es an anderen Standorten der Hoffnungsträger Stiftung gelebt wird – Integration durch Begegnung auf Augenhöhe, unter Berücksichtigung der persönlichen Bedarfe der geflüchteten Bewohnenden.
  • Außerdem das barrierefreie Wohnen für Menschen ab 55 Jahren, die in Gemeinschaft mit anderen leben wollen.

Teilhabe ist nicht alles, aber ohne Teilhabe ist alles nichts. Es ist uns ein echtes Anliegen mit unserer aktuellen Projekt-Förderung einen wichtigen Beitrag zu leisten. Senioren sollen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben führen können, junge geflüchtete Menschen gut in ihrem neuen Umfeld ankommen und Integration wirklich gelebt werden. Die Begleitung durch erfahrene und kompetente Sozialarbeit trägt aus unserer Erfahrung mit anderen Projekten dazu bei, dass dies bestmöglich gelingt. – Kirsten Böddeker, Vorständin der Commerzbank-Stiftung

„Man muss den Standort als Ganzes sehen: Mehrgenerationenwohnen mit interkulturellen Aspekten. Allein im Hoffnungsblick reicht die Altersspanne von 53 bis 83 Jahren und enthält damit auch die unterschiedlichen Lebensphasen und Bedürfnisse. Die Größe des Standorts bringt Vielfalt. Hier braucht es professionelle Unterstützung und wir sind sehr dankbar, dass wir diese mit Leonie und der Förderung durch die Commerzbank Stiftung haben”, sagt Denise Schechinger von der Standortleitung aus der Hoffnungsträger Stiftung.

„In Schwäbisch Gmünd ist unsere große Besonderheit die Komponente des Mehrgenerationenwohnens. Wir sind der einzige Standort mit dem Hoffnungsblick-Gebäude. Hier wohnen Menschen der Generation 55+ in barrierefreien Wohnungen. Mein Mann und ich dürfen dort die Hausgemeinschaft mitgestalten”, sagt Leonie Frank.

Besonderheit und Herausforderung: Arbeiten, wo gewohnt wird

„Man muss gut damit klarkommen, dass sich alles vermischt. ‚Nine to five’ funktioniert hier nicht”, erklärt Denise Schechinger und meint damit, dass sowohl sie und ihr Mann als Angestellte von Hoffnungsträger selbst mit ihrer Familie im Hoffnungshaus leben, als auch Leonie Frank als Sozialarbeiterin. Da käme es natürlich auch mal vor, dass abends um acht Not am Mann sei. Will heißen: Dass Bewohnende Rat, Trost, Unterstützung brauchen.

Wie man das am besten managt? Durch einen natürlichen Umgang mit der Vermischung von Arbeit und Privatem. Und manchmal müsse man sich auch abgrenzen, meint Denise Schechinger, und nennt ein Beispiel mit einem geflüchteten Bewohner. Da könne man sagen: „Ich weiß, der Brief macht dich jetzt nervös, aber komm bitte morgen früh zu mir.”

„Alles, was unsere Geflüchteten in ihrem Alltag beschäftigt, beschäftigt auch mich: Eine Kindergartenanmeldung, das Schreiben eines Praktikumsberichts, die Suche nach einer Hebamme, Ausbildung oder Arbeitsstelle. Vielen fällt die Kommunikation über Telefon schwer, weshalb ich oft zur Unterstützung daneben sitze, wenn Arzttermine oder ähnliches vereinbart werden.“ – Leonie Frank, Sozialarbeiterin in Schwäbisch Gmünd

Leonie Frank unterstützt geflüchtete Bewohnende mit Know-how in der Sozialarbeit, Geduld und Empathie.

Hilfe zur Selbsthilfe geben

„Man darf nicht den Anspruch haben, jedes Problem selbst zu lösen. Vielmehr geht es darum, den Menschen einen Weg aufzuzeigen, damit sie selbst eine Lösung finden.” So beschreibt Denise Schechinger den Ansatz der Sozialarbeit im Hoffnungshaus. Mit dem langfristigen Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und Geflüchtete in ihrer Selbstständigkeit zu bestärken – eben Empowerment zu kultivieren.

Außerdem gehe es darum, den Menschen in Ruhe und Gelassenheit zu begegnen. Und es brauche Geduld, einen langen Atem sowie interkulturelle Kompetenz. „Im arabischen und afrikanischen Kulturkreis bringen die Menschen auch öfter viel Emotion mit. Hier gilt es, Kompliziertes einfach herunterzubrechen und zu wissen, wann es sinnvoll ist, zu handeln”, sagt Denise Schechinger.

„Wir ersetzen auch nicht die Arbeit der Ämter und des Integrationsmanagements, indem wir zum Beispiel Anträge ausfüllen. Aber wir bereiten die Arbeit gut vor. Unser Team bereitet Unterlagen mit den Geflüchteten auf, hilft dabei, Briefe zu verstehen, und vereinbart Termine.”

Weiter ginge es darum, den Menschen Sicherheit zu geben, ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine seien. „In der Corona-Zeit konnten wir organisieren, dass jedes Schulkind Unterstützung im Homeschooling bekommen hat. Das konnten die geflüchteten Eltern alleine nicht leisten”, erzählt Denise Schechinger.

„Für uns ist die Expertise, die Leonie in der Sozialarbeit einbringt, Gold wert. Mit ihrer Art und ihrem Fachwissen prägt sie unser Team. Für die Förderung ihrer Stelle sind wir sehr dankbar.” – Denise Schechinger

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