Hoffnungsträger Patenkind in Sambia - Hoffnungsträger

Thandiwes Welt ein Stück weit heil geworden

Thandiwes Welt
ein Stück weit
heil geworden

Thandiwe mit Nähmaschine
Thandiwe erledigt Auftragsarbeiten an ihrer Nähmaschine. – © Jeroma

Als der Richter das Urteil verkündete, brach für Thandiwe M. eine Welt zusammen. „Tod durch den Strang“, sagte der Jurist in der schwarzen Robe mit schneidender Tonlage. Adressat der Worte war Thandiwes Ehemann auf der Anklagebank eines Gerichts in Ndola (Sambia). Er hatte sich eines Kapitalverbrechens schuldig gemacht und galt ab sofort als Todeskandidat. Zurück blieben seine Frau und sieben Kinder – verängstigt, verzweifelt, hoffnungslos.

Die Stimme der siebenfachen Mutter stockt noch immer, wenn sie von dem wohl schlimmsten Tag in ihrem Leben erzählt. Neun Jahre liegt dieser inzwischen zurück. Das Entsetzen ist geblieben, obwohl die obersten Justizbehörden des Landes die Todesstrafe inzwischen in eine lebenslängliche Haft umgewandelt haben. Gewichen ist dagegen ihre Angst und Perspektivlosigkeit.

Die drei minderjährigen Kinder leben noch bei ihr. Sibusiso, ihr drittältester Sohn, hat im vergangenen Jahr erfolgreich die Schule abgeschlossen. „Ohne die Unterstützung von Paten wäre das nicht möglich gewesen. Unser Geld allein hätte dafür niemals gereicht“, erzählt die großgewachsene Frau in fließendem Englisch. Damit sticht sie in ihrem Umfeld heraus. Die meisten Frauen dort sprechen lediglich Bemba.

Für afrikanische Verhältnisse hat Thandiwe spät geheiratet. Erst mit 26 Jahren gab sie ihrem Mann das Jawort. Vorher widmete sie sich ihrer großen Passion und studierte Modedesign. Man sieht ihr und ihren Kindern an, dass sie ein Faible für Stoffe und Muster hat. Obwohl sie nicht viel Geld hat, achtet sie darauf, dass alle ordentlich angezogen sind.

Doch nicht nur für die eigene Familie, sondern auch für Nachbarn und Freunde schneidert sie Hemden, Hosen und Kleider. Für Thandiwe ist das eine wichtige Einnahmequelle. „Die Leute kaufen den Stoff, bringen ihn mir und ich mache etwas Schickes daraus“, erzählt sie. „Leider habe ich keine regelmäßigen Aufträge. Aber ich bin froh, zumindest ein bisschen Geld zu verdienen.“

Thandiwe und ihre Kinder leben im Haus des Schwagers. Dort haben sie zwei Räume für sich. Fließendes Wasser gibt es in dem Gebäude am Stadtrand Ndolas nicht. Es muss von einem Brunnen geholt werden. Trotz der komplizierten Umstände klagt die eloquente Frau nicht. Einfach wegzulaufen und das alte Leben hinter sich lassen, war für sie nie eine Option. „Ich weiß, dass viele Frauen in meiner Situation sich scheiden ließen und einen anderen Mann heirateten“, erzählt sie. Thandiwe hat sich anders entschieden. „Mein Glaube an Gott lässt das nicht zu. Ich habe meinem Ehemann versprochen, in guten wie in schlechten Tagen bei ihm zu sein. Und er hat wirklich große Probleme. Außerdem lieben ihn seine Kinder immer noch.“

Was genau er verbrochen hat, möchte sie nicht erzählen. Ganz aufgegeben hat sie die Hoffnung nicht, dass er irgendwann begnadigt wird und wieder nach Hause darf. Doch bis es soweit ist, dürften noch etliche Jahre vergehen.

Die siebenfache Mutter hat deshalb wie viele Alleinstehende in Afrika ein kleines Netzwerk um sich herum aufgebaut, in dem sich die Leute gegenseitig helfen. Neben der Großfamilie besteht es aus Nachbarn und Freundinnen der Kirchengemeinde, in der sich Thandiwe engagiert. Es ist ihr wichtig, andere zu unterstützen. Sie möchte auf diese Weise etwas von dem Segen weitergeben, den sie durch Hoffnungsträger-Paten für ihre Söhne Sibusiso und Eliud und ihre Tochter Dorcas erfahren hat. Ohne deren verlässlichen Beitrag wäre Thandiwes Welt wohl wirklich zusammengebrochen.

Axel Jeroma

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