Weihnachten im Hoffnungshaus Leonberg - Hoffnungsträger

Hoffnungshaus: Weihnachten mit besonderem Flair

Hoffnungshaus:
Bunter Mix zum
Weihnachtsfest

Gruppe vor Christbaum

Die Vorfreude auf das erste gemeinsame Weihnachtsfest steht den Bewohnern des Hoffnungshauses in der Heinrich-Längerer-Straße in Leonberg förmlich ins Gesicht geschrieben. Vor allem die Kinder sind schon ganz aufgeregt und können die Bescherung an Heiligabend kaum erwarten. Die gehört zur Weihnachtszeit dazu, ebenso wie ein gutes Essen und gute Gespräche im Familienkreis oder unter Freuden – mögen die Kulturen und Traditionen auch noch so unterschiedlich sein. Das wird bei einem Gespräch mit vier Bewohner deutlich. Sie erzählen, auf welche Weise sie Weihnachten bisher verbracht und gefeiert haben.

Die größte Bandbreite hat zweifelsohne Chris Hewitt miterlebt. Er stammt aus Trinidad & Tobago, ist mit einer Deutschen verheiratet und lebte einige Jahre in Brasilien. Im Sommer ist er mit seiner Frau Nicola und seinen beiden Kindern ins Hoffnungshaus eingezogen. Die Familie möchte helfen, dass die Integration der Mitbewohner aus Syrien und Afghanistan, die vor Krieg und Terror geflohen sind, gelingt.

Wenn man mit Chris über Weihnachten in seiner Heimat spricht, sprudeln die Worte nur so aus seinem Mund. „Alles dreht sich um Essen, Familie und Freundschaft. Die Vorbereitungen gehen schon Wochen vorher los“, sagt er. Unverzichtbare kulinarische Genüsse sind nach seinen Worten der Weihnachtsschinken, ein Obstkuchen, dessen Früchte zuvor in Rum und Wein eingelegt werden sowie der landestypische Punch a creme, ein süffiger Cocktail mit Rum, Ei und Bitteraromen.

Extra für Weihnachten putzen die Leute mit Fleiß und Liebe fürs Detail ihre Häuser heraus. „Wenn es nötig ist, werden sogar die Wände frisch gestrichen und neue Vorhänge angebracht. Dann schmückt man den Weihnachtsbaum – der meist aus Plastik ist – und legt die Geschenke darunter“, schildert Chris weiter. Der 24. Dezember ist in Trinidad & Tobago ein normaler Arbeitstag. Die Feierlichkeiten beginnen deshalb erst einen Tag später. Dafür jedoch bereits in aller Frühe. „Morgens zwischen sechs und sieben Uhr ist Gottesdienst. Anschließend gehen alle nach Hause zum Weihnachtsfrühstück. Danach werden die Geschenke aufgemacht. Mittags gibt es ein Festessen mit der Familie  – meistens Truthahn. Am Nachmittag und Abend besucht man Verwandte und Freunde.“

Der 26. Dezember ist ebenfalls ein Feiertag. „Wir brauchen ihn auch ganz dringend, um uns von den Strapazen des Vortags auszuruhen und neue Kräfte für die Zeit bis Jahresende zu sammeln“, berichtet Chris schmunzelnd. Die folgenden Tage vom 27. bis 31. Dezember haben es nach seinen Worten nämlich noch einmal in sich. „Da gehen die Besuche im Freundes- und Familienkreis munter weiter – mit reichlich Obstkuchen, Weihnachtsschinken und dem einen oder anderen Punch a creme.“

Musikalisch hat Trinidad & Tobago in der Weihnachtszeit ebenfalls etwas Spezielles zu bieten: Parang. Bands in bunten Kostümen ziehen von Haus zu Haus und erzählen in folkloristischen Liedern die Weihnachtsgeschichte. In den Schulen gibt es sogar richtige Parang-Wettbewerbe.

In Brasilien habe er viel von den Weihnachtstraditionen seiner karibischen Heimat vermisst. Dort spiele der Kommerz eine größere Rolle. Die Leute verbrächten auch längst nicht so viel Zeit mit Vorbereitungen. „Vielleicht liegt das daran, dass nicht so lange gefeiert wird wie in Trinidad & Tobago“, sagt der 50-Jährige. An Heiligabend gingen die meisten Brasilianer abends in den Gottesdienst. Gegen 22 Uhr treffe man sich in der Großfamilie zum Weihnachtsdinner – meist bestehend aus verschiedenen Salaten und Reis mit Hühnchen oder Truthahn. „Um Mitternacht werden die Geschenke geöffnet. Anschließend feiern die Leute bis in die frühen Morgenstunden. Das war´s dann im Prinzip mit Weihnachten. Am 25. Dezember schlafen die Leute aus und am 26. müssen viele schon wieder arbeiten.“

Für Heiligabend im Hoffnungshaus hat Chris einen besonderen Wunsch: „Ich hoffe, wir bekommen ein wenig Schnee.“ Und irgendwann einmal möchte er eine richtige deutsche Weihnachtsgans probieren – die hat ihm bislang noch niemand kredenzt.

Die 27-jährige Lubna aus Syrien freut sich auf die Weihnachtsparty mit ihrer Familie und den anderen Bewohnern des Hoffnungshauses. „Das wird sicherlich ein wunderbares Fest, wenn alle verschiedene Sachen beitragen“, meint sie. Obwohl sie selbst Muslima ist, hat sie eine besondere Beziehung zu Weihnachten. „Meine Großmutter ist Christin. Außerdem habe ich etliche christliche Freunde. Sie feiern traditionell mit einem Gottesdienst und haben zu Hause einen Weihnachtsbaum. Geschenke gibt es bei ihnen natürlich auch.“ So traf sich Lubna oft mit Familienangehörigen und Freunden an den Weihnachtstagen. „Wir haben miteinander gegessen und geredet. Das fand ich immer schön“, erinnert sich die junge Frau.

Eine völlig neue Erfahrung wird das Fest im Hoffnungshaus für die elfjährige Arghawan. „Wo ich herkomme in Afghanistan wird kein Weihnachten gefeiert. Trotzdem gab es in den Gärten mit Lichtern geschmückte Bäume. Wir Kindern fanden das toll. Geschenke wie neue Puppenkleider gab es auch. Die kamen vom Nikolaus“, erzählt das junge Mädchen, das seit September mit ihren Eltern und Geschwistern im Hoffnungshaus lebt. „Es ist super, dass wir dieses Jahr Weihnachten auch zusammen mit Deutschen feiern können. Gespannt bin ich vor allem auf all die Christbäume mit den bunten Kugeln. Mal sehen, ob sie auch so herrlich leuchten wie die Bäume in den afghanischen Gärten. Wahrscheinlich sind sie noch viel schöner“, fügt die Realschülerin hinzu.

Der Leiter des Hoffnungshauses, Thomas Röhm, blickt dem gemeinsamen Fest genauso erwartungsvoll entgegen wie alle anderen. Er und seine Familie mussten nämlich zwischendurch zehn Jahre auf so manche liebgewonnene schwäbische Weihnachtstradition verzichten. Der Grund: Die Röhms arbeiteten in der Atacama-Wüste in Chile in der Entwicklungshilfe, gut 200 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. „Das brachte gewisse Einschränkungen mit sich. Wir konnten nicht schnell mal irgendwohin hinfahren und Geschenke einkaufen. Hinzu kommt, dass Weihnachten in die heißeste Zeit des Jahres fiel. Man sehnte sich eher nach einem Sprung in den kühlen Pool als nach einer Feier drinnen vorm Plastik-Weihnachtsbaum. Das ganze Umfeld und die Stimmung passten einfach nicht zu einem besinnlichen Fest. Nicht einmal in der Kirche gab es einen extra Gottesdienst. Stattdessen wurde der Gottesdienst am Sonntag davor etwas weihnachtlicher ausgestaltet“, erzählt der 41-jährige. Umso mehr wollen er und seine Familie den Heiligabend im Hoffnungshaus genießen.

Dabei sollen die verschiedenen Kulturen und Traditionen der Bewohner zur Geltung kommen. „Wir setzen uns gemütlich zusammen, genießen ein leckeres Essen, hören Musik und die Weihnachtsgeschichte und wichteln“, beschreibt er den geplanten Ablauf – mit unverkennbarer Vorfreude in seinen Augen.

Axel Jeroma