Frieden für Kolumbien - Hoffnungsträger

Frieden durch Versöhnung von Opfern und Tätern

Frieden durch Versöhnung
von Opfern und Tätern

Opfer und Täter Kolumbien

Nach jahrzehntelangen Kämpfen zwischen Regierungstruppen, verschiedenen Guerilla-Gruppen und Paramilitärs hat der der bewaffnete Konflikt in Kolumbien ein Ende gefunden. Das kolumbianische Parlament hat den Friedenvertrag mit den FARC ratifiziert. Verhandlungen mit der zweiten großen Guerilla-Bewegung, der ELN, stehen unmittelbar bevor. Am 10. Dezember wird Kolumbiens Präsident Manuel Santos der Friedensnobelpreis verliehen. Die Mammutaufgabe der nächsten Jahre wird es sein, zigtausende Kämpfer in die Zivilgesellschaft zu integrieren.

Die Hoffnungsträger Stiftung mit ihrem Gründer Tobias Merckle und ihrer Partnerorganisation Confraternidad Carcelaria de Colombia (CCC) fördern und unterstützen Projekte, die dafür Modellcharakter haben. Es handelt sich um alternative Gefängnismodelle und so genannte „Dörfer der Versöhnung“. Dabei nehmen Ex-Guerilleros und betroffene Dorfbewohner an Gesprächen teil, die eine persönliche Aussöhnung von Opfern und Tätern ermöglichen. Gleichzeitig bauen sie gemeinsam zerstörte Infrastruktur auf. Sie errichten oder renovieren zerstörte Schulen, Versammlungsstätten und Sportplätze, richten Werkstätten ein oder erneuern Brücken.

Das Programm in Kolumbien ist auf Initiative von Stiftungsgründer Tobias Merckle entstanden. Er kennt die schwierige Situation vor Ort. Er und der Leiter von CCC, Lácides Hernández, kennen sich seit Jahren und pflegen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Beide setzen sich in der Straffälligenarbeit für Versöhnung und Wiedergutmachung ein. Merckle mit dem Seehaus e. V. und der Hoffnungsträger Stiftung. Hernández mit seiner Organisation CCC.

Hernández und die CCC-Mitarbeiter kümmern sich in Kolumbien um Gefangene, ihre Familien sowie um Opfer von Gewalt und Kriminalität. Im Gefängnis hat Hernández deshalb mit vielen ehemaligen Guerilleros gesprochen. Bei seiner Arbeit für Gefangene lernte er auch Francisco Galán kennen, der lange Kommandeur und Sprecher der ELN war, der nach der FARC zweitgrößten Guerilla-Organisation Kolumbiens. 35 Jahre gehörte Galán der ELN an, 16 Jahre saß er im Gefängnis. Hernández begleitete ihn in seinem Prozess zu einem anderen Menschen. Nun arbeiten sie gemeinsam für Frieden und Versöhnung im Land.

Mayerly Suarez gehörte den Autodefensas Unidas de Colombia (AUC), einer rechtsgerichteten paramilitärischen Organisation in Kolumbien, die zu den Hauptakteuren des bewaffneten Konflikts in Kolumbien zählte. Vor kurzem nahm sie in Ciudad Bolivar an einem Austausch  zwischen Opfern und Tätern des kolumbianischen Bürgerkrieges teil. Mit eindringlichen Worten richtete sie sich an die anderen Teilnehmer. „Ich bitte um Vergebung, weil ich als Mitglied der AUC viel Schaden angerichtet habe. Aber ich vergebe auch jenen, die mich dazu gezwungen und mir ein Stück meiner Jugend geraubt haben. Ich möchte allen Versammelten sagen, dass die meisten Leute nicht freiwillig bei diesen Gruppen waren, sondern weil ihnen ihre Lebensgeschichte oder die Umstände keine andere Wahl ließen.“

Auf der anderen Seite saß Rupert Alvarez, der als Dorfbewohner unter dem Bürgerkrieg gelitten hat. „Ich bin stolz auf die Menschen, die Leid verursacht haben und jetzt Wiedergutmachung leisten. Durch die Gespräche und die gemeinsame Aufbauarbeit haben wir Vertrauen zu ihnen gewonnen. Man kann sogar sagen, dass wir Freunde geworden sind. Ich freue mich, dass die ehemaligen Rebellen und Paramilitärs nun zum Wohl der Allgemeinheit arbeiten und beweisen, dass sie es ernst meinen. Es ist schön zu sehen, dass sie ihre Probleme hinter sich gelassen haben.“

In der Ciudad Boliviar war Stiftungsgründer Tobias Merckle bei der Grundsteinlegung für ein Begegnungszentrum, bei der Eröffnung einer kleinen Brücke, die den Kindern einen sicheren Schulweg erlaubt und der Einweihungsfeier einer renovierten Schule und eines Sportplatzes dabei. „Es ist faszinierend zu erleben, wie hier wirkliche Versöhnung geschieht und Opfer und Täter Hand in Hand für ihre gemeinsame Zukunft arbeiten“, so Merckle. „Dies könnte zu einem Modell für ganz Kolumbien werden, so dass die gemeinnützige Arbeit, die die FARC-Guerillas sowieso leisten müssen, gut umgesetzt wird und der Versöhnung dient“. Nur durch das Eingestehen der Schuld, das Kennenlernen der Lebensgeschichten, die praktische Wiedergutmachung ist ein Zusammenleben ohne Hass und Vergeltung  und damit die gelungene Integration der Täter in die Zivilgesellschaft möglich, so Merckle weiter.

Drei Versöhnungsdorf-Projekte hat die Hoffnungsträger Stiftung zusammen mit CCC in der Region Cocorná bereits verwirklicht oder auf den Weg gebracht. 20 ehemalige Kämpfer und 50 Opfer sind bislang integriert. In der Region Cocorná war es besonders häufig zu schweren Kämpfen zwischen der Armee und der Rebellenorganisation FARC gekommen. Es gab unzählige Tote unter den Zivilisten und viel Zerstörung an Gebäuden.

Rund 500.000 Euro hat die Stiftung dort bereits eingesetzt. Dabei soll es nicht bleiben. „Wir wollen noch mehr Menschen die Chance geben, ein normales Leben jenseits von Krieg und Gewalt zu führen“, sagt Stiftungsvorstand Marcus Witzke.