Die FARC bittet um Vergebung - Hoffnungsträger

Kolumbien: Die FARC* bittet Opfer in Granada um Vergebung

Kolumbien:
Die FARC*
bittet Opfer
in Granada
um Vergebung

© Archivbild

Frieden durch Versöhnung: Der lokale Projektpartner von Hoffnungsträger, Prison Fellowship Kolumbien, hat geholfen, eine Begegnung zwischen Tätern und Opfern des bewaffneten Konflikts in Kolumbien zu ermöglichen. Am 23. September trafen sich in der Kirche von Granada ehemalige Kämpfer der FARC und Bürger Granadas zu einem Akt Versöhnung. Es war der erste offizielle Akt dieser Art, den die FARC als politische Bewegung feierte. 

Sie zogen mit weißen Hemden und Kerzen in der Hand in die Kirche von Granada ein, um die Hinterbliebenen und Geschädigten des Konflikts um Vergebung zu bitten: Vertreter der ehemaligen FARC-Guerrilla kamen laut eigener Aussage „mit offenen Herzen, um sich zu versöhnen.“ Die Bürger Granadas selbst haben die Initiative ergriffen und sind mit Hilfe von Prison Fellowship Kolumbien den Schritt auf die ehemaligen Rebellen zugegangen. Sie wollen Frieden schließen mit der Vergangenheit, dem Hass Einhalt gebieten und Platz für einen Neuanfang schaffen. 

Der Anschlag am 6. Dezember 2000 in Granada, Antioquia, war einer der heftigsten der FARC. Durch eine Autobombe starben 23 Menschen und mehr als 150 Häuser wurden zerstört. Die FARC-Guerilla hatte Granada wegen der strategisch günstigen Lage zeitweise als Stützpunkt in der Region benutzt. Dadurch stand das Dorf über viele Jahre im Zentrum des Bürgerkriegs. Zeitweise bestand Granada fast nur aus Ruinen, mittlerweile leben wieder knapp 15.000 Menschen dort.

Der Schmerz und die Verluste sind nicht vergessen, aber die Hinterbliebenen sind sich einig, dass Frieden nur durch Versöhnung zu schließen sei. Als prominenter Vertreter der FARC kam Felix Antonio Muñoz Lascarro alias Pastor Alape, ehemaliger FARC-Kommandant, der nun im Direktorium der neu gegründeten Partei der demobilisierten Guerilla sitzt. Gemeinsam mit dem örtlichen Opferverband wurde eine Messe der Versöhnung gefeiert und Muñoz Lascarro unterzeichnete das Dokument „Nunca más!“ – Nie wieder.

Die ländliche Gemeinde Granada zählt eine grausame Statistik: mehr als 1.300 Tote, 240 gewaltsam Verschwundene und 11.500 Vertriebene sind Resultat des bewaffneten Konflikts. Die FARC haben sich im Friedensabkommen mit der kolumbianischen Regierung dazu verpflichtet, zur Aufklärung der Vergangenheit beizutragen. Im kommenden Jahr soll eine Wahrheitskommission die Arbeit aufnehmen.

Granada wurde nun zum Territorium des Friedens erklärt. Eine Kopie des Dokuments „Nunca más“ wird im Haus der Erinnerung in Granada aufbewahrt. Der „Raum des nie wieder“ (Salón del nunca más) lädt seit 2009 dazu ein, der Opfer zu gedenken. Dort werden Fotos der Opfer des Anschlags vom 6. Dezember 2000 ausgestellt. 

Prison Fellowship Kolumbien hat in Granada das Projekt „Dorf der Versöhnung“ durchgeführt. Dabei nehmen ehemalige Guerialla-Kämpfer und Paramilitärs und Opfer des bewaffneten Konflikts an Gesprächsrunden zur Aufarbeitung des durch den Konflikt verursachten Leides teil. Gleichzeitig arbeiten sie gemeinsam, um zerstörte Infrastruktur in ihrem Ort wieder aufzubauen. Dadurch können sie die Vergangenheit ein Stück weit hinter sich lassen und arbeiten gemeinsam für eine bessere, hoffnungsvollere Zukunft. Das Projekt wurde bisher an fünf Orten durchgeführt und soll in den nächsten Jahren auch in weiteren Orten zur Anwendung kommen.

 *FARC: Ursprünglich stand die Abkürzung FARC für: „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“. Das ist Spanisch für „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ und bezeichnete eine linke Rebellengruppe. Seit dem Abschluss der Friedensverhandlungen in Kolumbien wurde die FARC im August 2017 als politische Partei neu gegründet. Nun steht das Akronym für: „Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común“: „Alternative revolutionäre Kraft des Gemeinwohls“.