Hoffnungsort Calw: Warm ums Herz.

Trotz des Schneefalls und der Temperaturen um den Gefrierpunkt waren rund 150 Besucherinnen und Besucher auf den Wimberg gekommen. Dort wurde am 2. April der Hoffnungsort Calw mit seinen vier Häusern und insgesamt 32 Wohnungen offiziell eröffnet. Hubert Kogel war mit dabei. Und ist sich sicher: Nicht nur ihm wurde dabei warm ums Herz.

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Es war und ist eine Premiere: Nicht nur wegen des Wetters. Sondern weil hier in Calw der erste Hoffnungsort eröffnet wurde. Der vor allem sozial benachteiligte Menschen im Blick hat. Die nicht am Rande unserer Gesellschaft leben sollen. Sondern wieder oder zum ersten Mal ein Teil von ihr werden.

Dass dies gelingen kann, hat man auch bei der Eröffnung gesehen: Schon bei den Vorbereitungen packen alle mit an. Sind Teil einer aktiven Gemeinschaft. Unterstützen sich gegenseitig. Und ich habe den Eindruck, dass die Arbeit bei diesem nasskalten Wetter die Bewohnerinnen und Bewohner nur noch mehr zusammenschweißt.

"Es ist sehr schön, dass wir Vertrauen zueinander haben, uns aufeinander verlassen können und dass unsere Kinder tolle Freundschaften schließen können." Amira* (Bewohnerin im Hoffnungsort)

Neben Marion Gentges, Ministerin der Justiz und für Migration in Baden-Württemberg, richtete auch Florian Kling, Oberbürgermeister der Stadt Calw, ein kurzes Grußwort an die anwesenden Gäste. Mit dabei waren auch Nachbarinnen und Nachbarn aus der unmittelbaren Umgebung, Bürgerinnen und Bürger aus Calw, Vertreterinnen und Vertreter aus Landes- und Kommunalpolitik wie auch aus den örtlichen Kirchengemeinden. Außerdem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hoffnungsträger nicht nur aus Calw, sondern auch einige, die aus Hoffnungshäusern an anderen Standorten gekommen waren, um zur Eröffnung zu gratulieren, sich mitzufreuen und mitzufeiern.

Nicht nebeneinanderher, sondern miteinander

In ihrem Grußwort betonte Ministerin Marion Gentges, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des Hoffnungsortes nicht nebeneinanderher, sondern miteinander wohnen. Nicht isoliert und sich selbst überlassen, sondern in einer sinnvollen sozialen Mischung und in einer aktiven Hausgemeinschaft. In einer Gemeinschaft, die weit über die vier Häuser in Calw hinausgehe.

Auch Oberbürgermeister Florian Kling unterstrich, dass mit der Eröffnung des Hoffnungsortes eine Premiere gefeiert werde: In Calw sei der erste Hoffnungsort entstanden, der auf dem integrativen Wohnkonzept der Hoffnungshäuser basiert. Auf einem Konzept, das sich bereits bewährt habe. Und das sich auch in Calw bewähren werde.

Von den weiteren Standorten, an denen die Hoffnungsträger tätig sind, berichtet auch Marcus Witzke: Hoffnungshäuser gebe es bereits in Bad Liebenzell, Esslingen, Konstanz, Leonberg, Schwäbisch Gmünd, Sinsheim und Straubenhardt. Und mit dem Hoffnungsort in Calw sowie jeweils zwei weiteren Hoffnungshäusern in Konstanz und Nagold werde es ab Herbst 2022 dann 29 Häuser mit insgesamt mehr als 200 Wohnungen geben.

„Wir tun dies alles, hier in Calw und auch an allen anderen Orten, aus dem einen Grund: Wir wollen, dass alle Menschen, egal welche Biografie sie mitbringen, egal was sie schon erlebt haben, ein Teil unserer Gesellschaft sind." Marcus Witzke (Vorstand der Hoffnungsträger)

Integratives Wohnen für sozial benachteiligte Menschen

Im Hoffnungsort in Calw leben Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen Unterstützung brauchen, zusammen mit Menschen, die mitten im Leben stehen: Menschen mit geringem Einkommen, die in diesem Gemeinschaftsprojekt leben möchten. Menschen mit Begleitungsbedarf, die ihre Lebenssituation verändern wollen. Und Menschen, die den Hoffnungsort und das Miteinander aktiv mitgestalten möchten.

Noch vor der offiziellen Eröffnung sind im Hoffnungsort bereits viele der Wohnungen vermietet und somit nur noch wenige verfügbar. Sie sollen an Familien mit jeweils drei bis fünf Personen vermietet werden: An Menschen, die ein eigenes Einkommen und ein Interesse daran haben, das gemeinsame Wohnen im Hoffnungsort aktiv mitzugestalten. Näheres hier.

"Hoffnung bedeutet für uns, dass wir Teil dieser Gemeinschaft sein dürfen, Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen kennen lernen und uns mit ihnen anfreunden können." Matura* (Bewohnerin im Hoffnungsort)

Soziale Arbeit weit über den Hoffnungsort hinaus

Durch das Programm führten Marianne und Ramón Haag, die mit ihren Kindern ebenfalls hier wohnen, den Hoffnungsort leiten und die integrative Arbeit auf dem Wimberg verantwortlich gestalten. Nicht nur das: Mit der sogenannten „Quartiersentwicklung“ wollen sie auch dabei helfen, soziale Angebote sinnvoll zu vernetzen.

So soll die soziale Arbeit weit über den Hoffnungsort hinaus in die Gesellschaft hineinwirken. Damit nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner des Hoffnungsorts, sondern auch die in der Nachbarschaft und auf dem gesamten Wimberg davon profitieren. Die Quartiersentwicklung wird mit finanziellen Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie und weiteren Spenden unterstützt.

Neben den auch in Calw sehr gefragten Besichtigungen der Wohnungen begann nach dem „offiziellen“ der eigentlich viel wichtigere Teil: Ein herzliches Miteinander, Begegnung untereinander mit viel Zeit zum Reden und Zuhören und sich Kennenlernen. Aufgrund des Wetters größtenteils in den Häusern, draußen ein gefragtes Kinderprogramm mit Waffeln und Zuckerwatte, Torwandschießen und Bull Riding. Ein gelungener Tag also, an dem den Gästen wie auch den Bewohnerinnen und Bewohnern aufgrund der herzlichen Begegnungen und des fröhlichen Miteinanders sicherlich so warm ums Herz wurde wie mir.

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